Therapie360

Beckenbodentherapie

Beckenboden-
therapie

Der Beckenboden und seine Bedeutung

Ein gut funktionierender Beckenboden ist ein wichtiger Faktor für die Lebensqualität und das Wohlbefinden.
Man kann ihn sich vorstellen wie eine straff gespannte Hängematte, die im unteren Becken den Organen des Bauchs und des Beckens halt gibt. Damit er diese Aufgabe erfüllen kann, sind eine starke Muskulatur, gut gleitende Faszien, freie Gelenke, gesunde Organe und ein ausgeglichenes hormonelles System erforderlich.
Wenn nur eines dieser Elemente gestört ist, kann das eine Kettenreaktion hervorrufen die vielerlei Problematiken verursachen und damit die Lebensqualität erheblich einschränken kann.

Schematische Darstellung des Beckenbodens

Die häufigsten Ursachen finden Sie hier kurz im Überblick

1. Prostatakarzinom

Erkennung und Vorsorge

Das Prostatakarzinom ist weltweit gesehen der zweithäufigste Tumor des Mannes nach Erreichen des 50. Lebensjahres. Entscheidend für die Heilung ist die frühzeitige Erkennung, daher wird eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung ab dem 40. Lebensjahr empfohlen da das Karzinom häufig ohne Krankheitszeichen bleibt.

Diese umfasst folgendes:

urologische Untersuchung mittels rektaler Palpation
Urintest
Blutuntersuchung zur Bestimmung des PSA-Werts

Bei bösartiger Neubildung des Prostatadrüsengewebes stehen folgende Maßnahmen je nach Stadium der Erkrankung zur Verfügung:

Operative Entfernung
Strahlentherapie
Hormontherapie
Therapeutin erklärt den männlichen Beckenboden

Wie können wir Sie in dieser Situation unterstützen?

Vor der Operation

Wichtig ist bereits vor einer Operation eine gezielte physiotherapeutische Betreuung um einen Startvorteil in der späteren Rehabilitation zu erlangen. Diese Maßnahmen umfassen:

Die Wiedererlangung der Kontinenz nach Katheterentfernung
Das Wiedererlangen der erektilen Funktionsfähigkeit
Die richtige Aktivierung des Harnröhrenschließmuskels

Um optimal vorbereitet zu sein empfehlen wir die Therapie 5 Wochen vor der Operation zu starten.

Nach der Operation

Etwa 2 Wochen nach Katheterentfernung kann mit der postoperativen Therapie begonnen werden. In diesen Einheiten liegen die Schwerpunkte auf unterschiedlichen Ebenen um dem Körper nach diesem Einschnitt wieder in seiner Gesamtheit in Einklang zu bringen und um Folgeschäden zu vermeiden.
Dazu gehören:

Kraftaufbau des Harnröhrenschließmuskels
Atemtherapie
Haltungsschulung
Schwellkörpertraining zur Verbesserung der penilen Durchblutungsituation und der Elastizität/Gleitfähigkeit des Gewebes für die erektile Funktionsfähigkeit

Begleitet werden diese Maßnahmen durch Miktionsprotokolle, PAD-Tests, manuelle Behandlungstechniken sowie Information über mögliche Hilfsmittel.

Mobilisation des Beckens

Bestrahlung der Prostata

Bei einer geplanten Bestrahlung der Prostata lassen sich Folgeschäden an der Blase durch ein gezieltes Beckenboden- und Blasentraining deutlich reduzieren. Ein Füllvolumen von mindestens 350ml ist für die Blase während der Bestrahlung maßgeblich. Dieses gilt es durch gezielte Therapiemaßnahmen zu erreichen.

2. Gynäkologische Operationen


Inkontinenzoperationen, Hysterektomie, Senkungsoperationen, Endometriose-Operationen

Im Falle von gynäkologischen Operationen ist Physiotherapie sowohl vor als auch nach der geplanten Operation empfehlenswert.
Mit einer Therapie bereits vor dem geplanten Eingriff erarbeiten Sie sich wesentliche Vorteile für die Zeit nach der Operation.

Erlernen eines schonenden Beckenbodenverhaltens als Grundstein für die spätere Rehabilitationsphase
Ergonomisches Alltagsverhalten
Verhaltensmaßnahmen beim Toilettengang
Entstauende Maßnahmen
Sanfte Bewegungsmuster zur Unterstützung der späteren Wundheilung
Behutsame Aktivierung der Beckenbodenmuskulatur

Damit sind Sie optimal auf die Zeit nach dem Eingriff und die weiterführende Rehabilitation gerüstet. In dieser Phase konzentriert sich die Therapie vor allem auf:

Wiedererlangung des koordinierten Zusammenspiels von Zwerchfell, Bauch- und Beckenbodenmuskulatur
Beckenmobilisierende Maßnahmen
Manuelle, viszerale Techniken
Atemtherapie
Manuelle Behandlung der Beckenorgane

All diese Maßnahmen sind von großer Bedeutung, um Verwachsungen, Verklebungen und ungünstige Spannungsverhältnisse im Beckenboden und Operationsgebiet zu reduzieren und dadurch potenzielle Spätfolgen in Form von Schmerzen oder Funktionseinschränkungen zu vermeiden.

3. Inkontinenz / Blasenentleerungsstörung

Eine Blasenentleerungsstörung kann vielfältige Beschwerdebilder aufweisen. Eine Form davon stellt die Harninkontinenz dar. Die Ursachen hierfür sind sehr unterschiedlich und bedürfen einer genauen Anamnese beziehungsweise Untersuchung um eine spezifische und unterstützende Therapie ableiten zu können.
Die Fähigkeit der Kontinenz umfasst jedoch nicht nur das Halten des Harns sondern ebenso das Halten des Stuhls und der damit verbundenen kontrollierten und selbstbestimmten Abgabe zur richtigen Zeit am richtigen Ort (European association of urology).

Der Einsatz von aktiven und passiven Therapiemaßnahmen in Zusammenarbeit mit dem/der Patienten/in ermöglicht einen positiven Therapieerfolg.

Symbolgrafik Inkontinenz

4. Schmerzen im Genitalbereich/Becken/Wirbelsäule und wiederkehrende Entzündungen der Blase und Prostata

Symbolgrafik Beschwerden des Beckenbodens

Im Bereich des weiblichen und männlichen Beckens und der umliegenden Strukturen kann es immer wieder zu Schmerzen und Entzündungszuständen kommen, die physiotherapeutisch begleitet und behandelt werden können.
Nach einem ausführlichen Informationsgespräch (und nur nach Absprache!) können auch innere manuelle Behandlungstechniken zum Einsatz kommen um ein Gleichgewicht der betroffenen Strukturen zu erzielen.
Begleitende Maßnahmen dazu sind:

Gezielte Muskelaktivierung
Entspannungstechniken
Narbenbehandlung
Atemtherapie
Weitere schmerzlindernde Maßnahmen

5. Beschwerden während der Schwangerschaft, Geburtsvorbereitung und Rückbildung

Eine Schwangerschaft stellt eine herausfordernde Aufgabe an den weiblichen Körper dar. Immer wieder kann es im Verlauf zu Beschwerden kommen die vielleicht bereits bekannt sind oder aber auch völlig neu und unerwartet in Erscheinung treten.

Symbolgrafik Schmerzen während der Schwangerschaft

Die gute Nachricht – in vielen Fällen können wir helfen die Beschwerden zu lindern.

Vor der Geburt…

Im Laufe der Schwangerschaft nimmt das Bauchgewicht immer mehr zu und der Beckenboden steht vor der Herausforderung diesem Gewicht standzuhalten. Dies kann sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Beschwerden äußern – häufig sind zum Beispiel die folgenden:

Ischiasbeschwerden
Rückenschmerzen
Schmerzen im Bereich der Symphyse
Verdauungsbeschwerden

Physiotherapeutisch kann der Beckenboden in dieser Phase durch präventive Maßnahmen in Hinblick auf die Geburt positiv begleitet werden. Aber nicht nur präventiv, auch bei Beschwerden während der Schwangerschaft kann mit vielen verschiedenen Behandlungstechniken geholfen werden.

Nach der Geburt…

Der Schwerpunkt der Therapie liegt auf der Wiederherstellung und Rehabilitation der Funktionsfähigkeit des Beckenbodens und der Rumpfstabilität. Sowohl bei vaginaler als auch bei einer Geburt per Kaiserschnitt ist eine gezielte Therapie empfehlenswert um Spätfolgen zu vermeiden und kann unterschiedliche Maßnahmen bzw. Techniken erfordern.

Behandlung von möglichen Geburtsverletzungen und damit verbundene Narben
Senkungsbeschwerden
Schmerzen im Bereich der Symphyse
Körperliche Schmerzen nach der Geburt
Rückbildungsgymnastik
Beckenbodentraining nach der Geburt